Bücher, Texte und Projekte

Eine Auswahl meiner Publikationen, Ausstellungen und Veranstaltungen

"Umstrittene Orte II" - ein Buch von Studierenden

Wofür stehen die Häuser der Hafenstraße heute? Sollte das ehemalige Eros-Center, einst das erste Großbrodell des Landes, als Denkmal für einen Aspekt der Vergnügungsgeschichte unter Schutz gestellt werden? Wieso klafft eine große Lücke zwischen der wissenschaftlichen Aufarbeitung der Kolonialgeschichte und dem Umgang mit einer Bronzetafel im Michel, die unkommentiert diesen Hintergrund auszublenden scheint? Diese und andere Fragen haben 16 Studierende der Universität Hamburg beschäftigt, die im Sommersemester 2022 an einem Projektseminar unter meiner Leitung teilnahmen. Sie haben die historischen Dimensionen, aber auch die erinnerungspolitischen Diskurse zum Umgang mit dem kolonialen, nationalsozialistischen und anderem Erbe erarbeitet. Aus den Ergebnissen ist ein Buch entstanden. 

 

Umstrittene Orte II. Zum Umgang mit unbequemen Denkmälern (114 Seiten). Hg. vom St. Pauli-Archiv 2022. Zu bekommen beim St. Pauli-Archiv e.V. und im Museumsshop des Altonaer Museums.

Die Sternbrücke. Das Buch zum kontroversen Denkmal

Es gibt wohl kaum eine Brücke in Hamburg, die über einen so langen Zeitraum derart viel Aufmerksamkeit erfahren hat wie die Sternbrücke in Altona. Nicht nur als Bauwerk von 1925/26 fasziniert sie mit ihrer vernieteten Stahlkonstruktion und den expressionistischen Klinkerunterbauten. Längst ist sie zum Sinnbild nächtlicher Erlebnislandschaft, innerstädtischem Verkehrschaos, politischem Konfliktfeld und kreativem Protest geworden. Merle Dierks und Sally Wichtmann haben an der HafenCity Universität erst ihre Bachelor-Arbeit über sie geschrieben - und nun ein Buch. Es wurde von mir redaktionell betreut und von der Landeszentrale für politische Bildung Hamburg finanziert.

 

Merle Dierks und Sally Wichtmann: Die Sternbrücke. Hg. vom St. Pauli-Archiv e.V. 2021, wo es auch gekauft (und bestellt) werden kann.

Curating the Invisible: Lagerhaus G - eine Online-Ausstellung

Das Lagerhaus G auf dem Kleinen Grasbrook ist ein denkmalgeschützter Speicher von 1903. Zur Zeit des Nationalsozialismus diente er als eines der größten Außenlager des KZ-Neuengamme. 1944 bis 1945 waren hier etwa 1.500 Frauen und 2.800 Männer inhaftiert, die Zwangsarbeit im Hafen verrichten mußten. Vor Ort erinnert ausser Gedenktafeln an der Fassade und einem Stolperstein zwar (noch) nichts an die Geschichte dieses Ortes, digital aber schon: 2021 haben Studierende der Kultur- und Geschichtswissenschaften in einem Projektsemniar mit mir die Online-Ausstellung zum Lagerhaus G kuratiert. Sie umfasst 33 Text-, Audio- und Filmbeiträge. Das Projekt wird gefördert vom Arbeitsfeld Public History der Universität Hamburg und der Landeszentrale für politische BIldung Hamburg. 

 

Zur digitalen Ausstellung: www.lagerhaus-g-hamburg.de

Ein Forschungsprojekt, ausschließlich zum Vergnügen

Welche Rolle spielen Vergnügungsviertel für die Urbanisierung von Hafenstädten? Dieser Frage gehen Forschende aus verschiedenen Fachbereichen der Universitäten in Hamburg, Rotterdam, Barcelona und Göteborg unter der Leitung von Prof. Dr. Lisa Kosok von der Hafencity Universität Hamburg im europäischen Projekt „Pleasurescapes“ nach. Ziel ist es, nicht nur neue wissenschaftliche Erkenntnisse zu erlangen, sondern diese auch auf vielfältige Weise zu vermitteln: So wird es unter anderem eine Theaterproduktion geben, eine Wanderausstellung und eine „Personendatenbank des Vergnügens" - letztere habe ich im Rahmen des Projekts bis zum April 2021 aufgebaut. Dafür habe ich hauptsächlich - wie sollte es anders sein - zur Entwicklung St. Paulis recherchiert.

 

Europäisches Forschungsprojekt (HERA), Laufzeit 2019-2022, https://pleasurescapes.eu

Landhaus Flottbek. Eines der letzten seiner Art

1785 gab es 29 Bauernhöfe in "Großen Flottbeck". Einer der letzten verbliebenen Höfe des ehemaligen Dorfes ist das heutige Hotel und Restaurant Landhaus Flottbek. Bis 1956 wurde die Anlage landwirtschaftlich bewirtschaftet, dann zogen die Pferde des "Norddeutschen und Flottbeker Reiterverein" ein, kurze Zeit später Polopferde. Nils Jacobs hat den Hof 2015 gekauft und aufwendig saniert. In einem Flyer des Denkmalschutzamtes zeichne ich die Geschichte dieses schönen großen Anwesens nach. Das Foto entstand übrigens Ende des 19. Jahrhunderts: Es wurde vor dem Scheunentor aufgenommen, das inwzischen der Eingang zur Gaststube ist.

 

Flyer der Reihe "Denkmalpflege Hamburg", Denkmalschutzamt Hamburg, Behörde für Kultur und Medien, 2019.

"Geschichts- und Kulturpfad Othmarschen" - vor Ort und digital

Othmarschen - das sind die Villen an der Elbchausee und die Häuschen in Oevelgönne, aber ebenso der Elbtunnel, die inzwischen sechste Teufelsfigur an der gleichnamigen Brücke und der Streit um die Umbenennung der Walderseestraße. Auf dem "Geschichts- und Kulturpfad Othmarschen" kann die Entwicklung des Stadtteils in seinen unterschiedlichen kulturellen, wirtschaftlichen und baugeschichtlichen Facetten erkundet werden. An 15 Stationen sind Tafeln aufgestellt, die auf Besonderheiten in der Umgebung aufmerksam machen. Über einen QR-Code können mit dem Smartphone weiterführende Informationen aufgerufen werden, die meine Kollegin Birgit Gewehr und ich erarbeitet und geschrieben haben. Der Pfad ist aufgrund der Länge als Radtour konzipiert. Das Projekt wurde im Auftrag des Stadtteilarchivs Ottensen umgesetzt und vom Bezirksamt Altona gefördert.

 

"Geschichts- und Kulturpfad Othmarschen", Tafeltour vom S-Bahnhof Othmarschen über Teufelsbrück bis zum Friesenweg, eröffnet 2019.

Unbequeme Bauwerke - um was wird eigentlich gestritten?

Die meisten Orte, um die in Hamburg gestritten wird oder bei denen sich ein Konflikt anbahnt, stehen unter Denkmalschutz und befinden sich in der Innenstadt. Trotzdem ist das, was an ihnen unbequem ist, größtenteils wenig bekannt: So befinden sich beispielsweise in den Räumen im Sockel des Bismarck-Denkmals nationalsozialistische Wandmalereien - sollen sie nach der in diesem Jahr geplanten Sanierung zugänglich sein? Und ist eine Gedenktafel zur Ehrung der Sodaten, die im Krieg gegen die "Boxer" in China zu Tode kamen mit unserem heutigen Geschichtsverständnis zu vereinbaren, noch dazu an einen friedvollen Ort wie der Hauptkirche St. Michaelis?

 

Mit solchen Fragen haben sich unter meiner Leitung Studierende des Arbeitsfeldes "Public History" von der Universität Hamburg beschäftigt. Die Ergebnisse sind in einer kleinen Publikation zusammengefasst, die das St. Pauli-Archiv herausgegeben hat. Erhältlich ist es dort oder auf meinen Rundgängen.

 

Hamburgs umstrittene Orte. Zum Umgang mit unbequemen Denkmälern. Broschüre, 34 Seiten, 2018. Zu bekommen beim St. Pauli-Archiv und bei mir.

Fliegende und schwimmende Denkmäler

In Hamburg gibt es rund 15.300 unterschiedliche Denkmäler - Gebäude, Orte und Bodendenkmäler. Jedes von ihnen hat seine ganz eigene Geschichte. Die von einigen kann inzwischen in einer Flyer-Reihe des Denkmalschutzamtes, überblicksartig und in handlichem Format, nachgelesen werden. Dabei sind auch das einzige fliegende Denkmal der Stadt, das 1936 gebaute Motorflugzeug Ju 52, und ein schwimmendes Denkmal, der Stückgutfrachter Cap San Diego von 1962 - beide geschrieben von mir. Ein weiterer Flyer, den ich erstellt habe, erzählt die Geschichte der Amsinck-Villa, ein über drei Jahre aufwändig saniertes Gebäude in Lokstedt aus dem Jahr 1868. Sie ist jetzt eine Kita - aktuell die wohl repräsentativste der Hansestadt.

 

Flyer der Reihe "Denkmalpflege Hamburg", Denkmalschutzamt Hamburg, Behörde für Kultur und Medien, 2017 und 2018.

Von geschwungenen Dächern und geretteten Türmen

Im Ch. Links Verlag ist in 2018 der Tagungsband "Alles Platte? Architektur im Norden der DDR als kulturelles Erbe" erschienen, den ich redaktionell betreut habe. Er beinhaltet 17 Beiträge von Autorinnen und Autoren aus der Denkmalpflege, der Kunstgeschichte, der Archäologie, der Architektur und der Praxis. Sie setzen sich unter anderem mit Plattenbauten in Rostock auseinander, zeigen die Besonderheit der geschwungenen Betonschalen-Dächer von Ulrich Müther auf und berichten von der Rettung eines Grenzturms in Kühlungsborn. Sie fragen auch danach, wieviel von der Geschichte des "Kolosses von Prora" sichtbar bleiben wird. 

 

Landesamt für Kultur und Denkmalpflege Mecklenburg-Vorpommern (Hg.): Alles Platte? Architektur im Norden der DDR als kulturelles Erbe. Berlin 2018. Zu bekommen im Buchhandel, zum Beispiel hier.

Was tun Gebäude mit Menschen?

Was können Gebäude bewirken? Welchen Einfluss haben sie auf die Menschen in ihrer Umgebung, ein Viertel oder eine Stadt? Diesen Fragen bin ich am Beispiel der Schiller-Oper in Hamburg nachgegangen. In meinem Buch stelle ich das an ihr entwickelte "Atmosphären-Netzwerk-Modell" vor. Das Modell ist Theorie und Methode zugleich, denn es zeigt in seiner Anwendung, in wie weit Baumaterialien, Konstruktionen, Form und Lage von Gebäuden die Aushandlungsprozesse um sie beeinflussen. Auch für Diejenigen, die eher an der Geschichte der Schiller-Oper als an den wissenschaftlichen Inhalten interessiert sind, bietet das Buch reichlich Lesestoff: Erstmals komplett und detailliert, von der Bau-Idee 1889 bis zum Jahr 2015, wird die Historie dokumentiert. Mehr dazu beim Chronos Verlag und in einer Rezension auf H-Soz-Kult.

 

Anke Rees: Das Gebäude als Akteur. Architekturen und ihre Atmosphären. Kulturwissenschaftliche Technikforschung, Band 5. Zürich 2016. Zu bekommen im Buchhandel, zum Beispiel hier.

Achtung, historisch und kulturell wertvoll!

Mitten in Hamburg steht der letzte Zirkusbau Deutschlands aus dem 19. Jahrhundert, der in Stahlskelettbauweise errichtet wurde - die sogenannte Schiller-Oper in St. Pauli. Vom Aufführungsort ist sie zum Erinnerungsort und schließlich zum aktuellen "Lost Place" geworden - ein vergessenes, irrtierendes und widerspenstiges Gebäude mit einer über 100jährigen Geschichte. Kaum einer kannte sie, als ich mich 2007 auf die Suche nach den Spuren der Akteurinnen und Akteure gemacht, die am "Lebenslauf" der Schiller-Oper mitgeschrieben haben. In diesem Buch erzähle ich von ihnen und ihrem Gebäude. Prof. Dr. Franklin Kopitzsch, Leiter der Arbeitsstelle für Hamburgische Geschichte, hat das Nachwort verfasst: Über die Chance und Herausforderung, die die Schiller-Oper für Denkmalschutz und Stadtentwicklung bietet. Mit 96 Seiten und ohne wissenschaftliche Fußnoten ist das Buch prima für alle, die sich unkompliziert fundiert informieren möchten.

 

Anke Rees: Die Schiller-Oper in Hamburg. Der letzte Zirkusbau des 19. Jahrhunderts in Deutschland. Beiträge zur Sozial- und Kulturgeschichte St. Paulis, Nr. 5. Hg. vom St. Pauli-Archiv e.V. Hamburg 2010. Zu bekommen im St. Pauli-Archiv und bei mir.